Projekte
 Projekt: SilvrettAtelier 2014

„Gastgeber des SilvrettAteliers ist der Stromerzeuger Illwerke AG. Die Gäste kommen aus der ganzen Welt, treffen im Zweijahres-Rhythmus zusammen, um zu philosophieren und die Ergebnisse ihrer Gespräche, ihres Nachdenkens und Beobachtens ins Werk zu setzen.“ (Zitat aus Katalog 2012: Ingrid Bertel)

Der Maler Roland Haas ist sowohl Kurator des Symposions, wie auch Akteur und lud folgende Künstler auf die Bielerhöhe ein. Teilnehmer: Gudrun Bielz, Roland Haas, Hubert Lampert, Markus Oberdorfer, Liddy Scheffknecht, Reece Terris, Elisabeth Wedenig und Hannes Zebedin


Nächtlicher Graupelschauer

Katalogtext: Hubert Lampert

Wie ein Kind auf Sommerfrische, dachte ich mir, sollte ich die Tage auf der Bielerhöhe verbringen. Sich von der Höhe berauschen lassen und gleichzeitig wieder einmal überrascht sein von der grandiosen Wirkung der hochalpinen Region.

Im absichtslosen Umherschlendern nahm ich Töne aus der Umgebung auf, von Kühen und Baumaschinen, ich fütterte mein „Reality-Sound-Archive“, eine Sammlung von Klängen aus Dörfern, Städten und Landschaften. Die Wildüberwachungskamera schoss nächtliche Bilder: Die Wetterereignisse einfacher Tage sind in Zeitrafferaufnahmen festgehalten, ergebnisoffen mein tägliches Tun. Am Fuße der Silvretta kam ich mir klein vor und dachte an das Wort „Bergmassiv“ und notierte: „Schematische Darstellungen im Illwerke-Prospekt“. Eine Arbeit für zu Hause.



Aufkommende Bewölkung am Nachmittag

Mitternacht und Tagesanfang

Eine Karambolage von Eindrücken waren die gemeinschaftlichen Tunnelbegehungen, lärmende Bohrmaschinen im Kunstlicht der Stollenbeleuchtung, sich in Wasserpfützen widerspiegelnde Scheinwerfer und Warnlichter. Ich war wirklich beeindruckt von dieser Maschinerie des Vortriebs, die das Gestein bricht und brachial seinen exakt definierten Weg geht.

In mein Büchlein kritzelte ich: „Zwielicht im Leerraum des Berges“, und war beseelt von dem Gedanken, die entstehenden Hohlräume als Installation darzustellen. Mein Vorhaben: Das Netzwerk von Schächten, die die umliegenden Berge durchziehen und von außen unsichtbar bleiben, sichtbar zu machen. Noch eine Arbeit für zu Hause ...



Bergmassiv


Installation: Kraftwerk & Wasserschloss



 Projekt: OXYMORON Portraitserie - 2003

Der Einsatz des Computers als Werkzeug und die Thematisierung des menschlichen Antlitz stellen ein Novum in meinem künstlerischen Schaffen dar. Auslösendes Moment war das vermehrte Aufkommen von gepixelten Bildern in den Medien zur Anonymisierung unbeteiligter Personen, Unkenntlichmachung von Autokennzeichen bei Unfallfotos, sowie die groben Bilder von Videokameras im Sicherheitsbereich, wo es auf die Erfassung der charakteristischen Züge und die biometrischen Masse zur Identifizierung von Personen ankommt.

 

Es handelt es sich um ein Bildobjekt, in dem sich zwei unterschiedliche Motive durch Reflexion miteinander verbinden und zu einem Bild verschmelzen. Nähert sich der Betrachter dem Objekt, lösen sich die Motive in Hunderte kleine Quadrate auf.

 

Wird das Bildobjekte von links betrachtet, ist der weibliche, von rechts der männliche Part sichtbar. Von Vorne betrachtet vermischen sich die beiden Motive zu einem Bild, das durch die Reflexion der Portraits erzeugt wird.

Bewegt sich der Betrachter vor dem Objekt, changiert das Motiv und erzeugt den Eindruck eines sich wandelnden Bildes.

Diese Konzeption ist von der ideellen Schönheit einer Paarbeziehung getragen. Ich wollte Personen, die schon lange zusammenleben, in einem Bild gleichzeitig so darstellen, dass sich ihr Antlitz als Farbschimmer miteinander verbindet.
 

Oxymoron, das,(grch.) Stilistik: die Verbindung von sich eigentlich wiedersprechenden Begriffen,(armer Reicher, Eile mit Weile) - Zusammenstellung zweier sich wiedersprechender Begriffe in einem Additionswort, (bittersüß)

 
     

   

   

 Projekt: Der Klangwürfel 1997 - 2007
Bei dem Klangwürfel-Projekt handelt es sich um eine 200-teilige, modulare Konzeption, deren temporäre Metamorphosen hier dokumentiert sind. Die Hälfte dieser variablen Skulptur wird einzeln, als ein Teil der Gesamtskulptur, an die Sammler weitergegeben und erfahren dadurch eine neue, imaginäre Formation, deren Streuung nicht mehr bestimmt werden kann.

   

STATION 1 - TEILEN ... Palais Thurn&Taxis, Künstlerhaus Bregenz (A) 1998
  1997 entstand aus der Konzeption „Informationsbänder/felder“ von Hubert Lampert eine aus 200 weißen Würfeln (1dm3) bestehende Skulptur. Genauer gesagt handelt es sich um Klangwürfel, d. h. um Kuben mit einem Hohlraum. Darin befinden sich Holzperlen, die an Metallstifte stoßen können, so dass durch Aufheben und Bewegungen der Würfel zum Klingen gebracht werden kann. Der Künstler verleiht dadurch der strengen Konzeption eine zusätzliche spielerische Note.
   
 

Diese Würfel sind imstande, unbegrenzte variable Strukturen durch spezifische Anordnungen zu bilden, deren Bedeutungen erst sichtbar werden, wenn eine Begehung der Skulptur im Raum stattfindet. Zunächst erscheinen die weißen Kuben nur in linear-bipolarer Form, d.h. entweder aneinander gereiht oder auseinander gerückt; sie lassen ein System vermuten, dessen Funktion aber noch unsichtbar bleibt.
 

In der Skulptur „TEILEN“ – als einer möglichen Variante derGesamtskulptur, in diesem Fall bestehend aus 142 Klangwürfeln – entcodiert sich die Bedeutung beispielsweise erst aus einer entfernteren Position im Raum. Der Betrachter muss sich also in Bewegung setzen, kann zwischen den Elementen der dreidimensionalen Auslegearbeit oder um und durch dieselbe gehen, um die Stelle zu finden, von wo aus sich sozusagen überraschend ein sprachlicher Ausdruck formiert.

Der sich so dem Blick freigebende Code, bzw. hier das Wort „TEILEN“, enthält noch eine von dem Künstler bewusst angesprochene mehrschichtige Information, wie „Teilen als mathematische Operation“, „als biologisches Universialgesetz“, oder „als ethische Grundhaltung“. Sie verweist so noch zusätzlich über die Bedeutung der räumlich angeordneten Struktur hinaus auf eine Semantik begrifflicher Strukturen, d. h. hier auf zu eruierende Wortbedeutungen.
 

Über einen Zyklus von sechs Ausstellungen (entsprechend den sechs Seiten der Würfel) plant der Künstler die Ent-Bindung der dreidimensionalen Struktur und des Codes. Die erste Ausstellung mit dem Titel „TEILEN“ im Künstlerhaus Bregenz 1998 versteht der Künstler zugleich als Programm für Sammler, durch Erwerb eines oder mehrerer Klangwürfel an der Gesamtskulptur zu partizipieren.

Jede Würfelseite hat eine Aufschrift in Siebdruck, versehen mit dem Namen des Künstlers, dem Titel der jeweiligen Ausstellung, dem Ausstellungsort und -raum, dem Jahr und der Anzahl der bisherigen Ausstellungsstationen. In diesem Sinne ist die durch die Sammler sich verstreuende Skulptur imstande, eine über ihre ursprünglichen Raumkonstellationen und temporären Stationen hinausgehende übergreifende Struktur von Formationen zu bilden und ein Informationsfeld über die Topographie ihrer Teile aufzubauen.

Ingo Nussbaumer

   

STATION 2 - WEISS ... Galerie „c.art“, Dornbirn (A) 1999
  „WEISS“ war der Titel einer thematischen Ausstellung, zu der die Galerie „c.art“ 19 internationale Künstler (Max Bill, Gottfried Honegger, Heinz Mack, Günther Uecker, Tone Fink, Ingo Nussbaumer, Michael Mittermayer, Miriam Prantl, Karl Heinz Ströhle, David Murray, Alexandra Wacker u.a.) einlud, Position zur Farbe Weiß zu beziehen. Ich entschied mich für eine Klangwürfel-Installation, die einem imaginären Schachbrett folgend, auf dem graugestrichenen Fußboden ein Muster bildete.
 
Dieses konnte während der Ausstellung von den Besuchern beliebig oft neu formiert werden. Die dadurch in Bewegung geratenen Würfel erzeugten Klänge, die, je nach Anzahl der beteiligten Personen und Temperamente, ein außergewöhnliches und überraschendes Hörerlebnis hervorbrachten.

Wöchentlich legte ich neue Varianten, mal sternförmig, mal als Zeichen oder als sich überkreuzende Linien. Es ist nicht bekannt, wie viele „Zwischenbilder“ während der Ausstellung durch Umlegen durch die Besucher entstanden sind.
 

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STATION 3 - REPOSITION ... Galerie Kurzemann, Götzis (A) 2002
  In der Ausstellung „REPOSITON“ thematisierte ich im großen Hauptraum das „Projekt: Herma L.“, im Foyer die „Fibonacci-Arbeiten“ und im danebenliegenden, gedrungenen Kellergewölbe-Raum die Klangwürfel als punktuelles Rasterfeld.

Der Kreuzungspunkt der quadratischen Bodenplatten war die vorgefundene Ordnungsstruktur für die Platzierung der Klangwürfel, deren serielle Anordnung Fluchten, Reihen und perspektivischen Blickpunkte den raumspezifischen Charakter sichtbar machten.
  

    

STATION 4 - PROGRESSION ... Kunstverein A4, Feldkrich (A) 2005
  In der Ausstellung „Von Angesicht zu Angesicht“, in der die Arbeiten aus der „Oxymoron-Portrait-Serie“ präsentiert wurden, nützte ich die Schaufenster-Situation zu einer Installation mit 130 Klangwürfeln, die in einer seriell aufgebauten Anordnung eine Progression darstellten.  

Die Länge, bzw. Breite des Fensterbrettes war als vorgegebenes Maß bestimmend und ließ eine Formation mit 13 Reihen zu je 4 Stück zu. Deren Zwischenräume waren mit den Klangwürfelmaßen identisch. Inspiriert von der „Synergetik der Systemkomponenten in der epigenetischen Musterbildung“ inszenierte ich die Kuben einer Computersimulation ähnlich.
 

Solche Ansätze sind Teil einer jungen Wissenschaftsdisziplin, die man als Systemanalyse bezeichnet und die sich formal-mathematischer Methoden bedient. Die fortschreitende Steigerung der Reihenhöhen wurde durch Erweiterung von jeweils einem Klangwürfel erzielt.

   

STATION 5 - CODES ... ARTEFAKT, Palais Ferstel, Wien (A) 2006

 

Die Ausstellung „CODES“ stand ganz im Zeichen von Informationen, die in den Zeichnungen zu bildgewordenen Texten mutierten und als Verdichtung, Abstraktion und Verschlüsselung dargestellt sind.

In ihnen kommen Schriftsteller, Künstler und Wissenschaftler ebenso zu Wort, wie Aussagen des Künstlers selbst. Er überlagerte auf einer Fläche von 1m2 vier „Textflächen“, die zwar nach dem ASCII-Code zu dechiffrieren wären, aber durch deren Überlagerung zu einer unentschlüsselbaren Anhäufung von Klangwürfeln führte und eher an eine architektonisch Formation erinnerte, als an ein Textobjekt. 

 
Ausschließlich in den Konstruktionszeichnungen realisiert der Eingeweihte den Anfangstext einer sich im Laufe der Zeit stets anwachsenden Litanei über des Künstlers persönliche Empfindungen und Erfahrungen bezüglich des aktuellen Kunstbetriebes.

Die ersten 4 Zeilen sind im Objekt dargestellt und lauten: „Feinde der Kunst! Der Geschmack der Gremien, die Meinung der Juroren, das Wissen der Fachrichter…“

Lydia De Loy

   

STATION 6 - METAMORPHOSE ... Gemeinschaftsatelier Futscher/Lampert, Götzis (A) 2007
 

Der Abschluss des Klangwürfel-Projektes, das vor 10 Jahren begann und davon die meiste Zeit in der kompaktesten Form, nämlich in Umzugsschachteln verstaut, im so genannten „Warteraum“ (Lager) verbrachte, bilden die letzten Auslegevarianten im neu bezogenen Atelier.

Es entstanden Formationen nach chinesischen Schriftzeichen, städtischen Ordnungsstrukturen und eine Serie von Metamorphosen von zweidimensionalen Flächen zu dreidimensionalen Räumen.

Es ist, als ob alles auf eine neue Schiene gebracht wird. In den noch leeren Räumen der Ateliergemeinschaft installierte ich als Abschluss 2 Kreisringe, die tangential die zukünftige Bilderwand berührten und in weiterer Folge sich ins Zentrum des Raumes fortsetzten, wo sie sich als Kreise um die tragende Säule in der Raummitte formierten.

    

Hier trafen sie auf die inzwischen herbeigebrachten Utensilien meines Atelierkollegen, dem Komponisten Gerald Futscher. So schloss sich der Kreis und das Projekt konnte beendet werden.

 

  

   

   

Elementarscheiben

sind Arbeiten aus Beton, auf deren Oberfläche geometrisch geformte Informationen des Künstlers enthalten sind.

 
 

Elementarereignisse wie Wind und Wetter hinterlassen auf ihnen ihre Spuren. Regenwasser sammelt sich und trocknet wieder aus; fallende Blüten, Blätter und Früchte markieren die jahreszeitlichen Veränderungen. Rätselhafte Erscheinungen wie roter Sahara-Staub nach einem Sommergewitter - oder das tagelang zu verfolgende Absorbieren von Farbpigmenten eines im Wasser liegenden Nussbaumblattes. Krusten von überreifen auf die Platte gefallenen Früchten (in meinem Fall Konferenzbirnen) hinterlassen vorübergehend Piktogramme; Eis, Schnee, Matsch, vom Regen weggeschwemmt und von der Sonne ausgebleicht, lösen sich die Jahresereignisse im „Nichts“ auf.
Die Elementar-Scheiben -  meist in der Größe eines Quadratmeters - erweisen sich durch ihre Interaktion mit der Natur als sensorische Referenzflächen im häuslichen Garten. Im Unterschied zu den durch die Natur bedingten Metamorphosen bleibt als Konstante die auf der Oberfläche manifestierte Intention des Künstlers, visualisiert durch Konstruktion, Information und Ausformung.

   

   

 "Marchesa Luisa Casati"

Anlässlich einer Ausstellung der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Vorarlbergs zum Thema "Marchesa Luisa Casati" schuf ich eine schneeweiße Betonplatte mit eingefrästen Rillen, die, im Streiflicht besehen, ein Bildnis einer jungen Frau zeigt. Je nach Standort des Betrachters erscheint das Bild mal stärker, klarer und dann wieder verschwindet es fast bis zur Unkenntlichkeit oder kippt in ein Negativbild um.
 


Die Arbeit trägt den Titel
"Unendliche Neugier".
An den Seitenrändern
der Portraitplatte stehen
die Statements
"Innere Notwendigkeit",
"Zwingende Leidenschaft",
"Konstruktive Phantasie"
und "Irrsinnige Schönheit".

 

Foto: Bernd Blöb  

   

   

 Projekt: Herma L. - 1998 - 2002

Herma ist mein jüngste Schwester. Sie ist stumm.
 
1998 entstand eine spezifische Zusammenarbeit, die das Projekt: Herma L. begründete und bis zum August 2002 dauerte. Es war der Beginn einer Auseinandersetzung mit mentaler Zustandsgebundenheit und emotionaler Farbsensibilität, die Konstruktion und Impression auf lyrische Weise verbindet.

  

  

Um sich zu ordnen, braucht sie fünf Minuten. Danach ißt sie ein Marmeladebrot, macht sich dabei die Finger klebrig.

In der Zeitung betrachtet sie die Bilder, bis sie voller Druckerschwärze ist. Sie wäscht sich gründlich, bevor sie Abschied nimmt vom kranken Vater – ihre Hand legt sie in seine. So verharrt sie eine Zeitlang, dann geht sie weg und winkt.

Im Gang steigt sie der Katze aus dem Weg, packt den Regenschirm und tritt hinaus auf die Straße. Eine Reisende mit einem Dach bei Regen. "Herma, schließ die Tür!" Und sie gehorcht und spannt den Schirm auf. Ein Zeppelin wartet auf der Wiese.     Stephan Alfare