Objekte
 Sein & Schein – 2013

Blick in die Ausstellung KARAMBOLAGE (zusammen mit Franz Türtscher)
Künstlerhaus Palais Thurn & Taxis, Bregenz, 2015


Fridolin Welte – Katalogtext zu „Acht ohne Gegenstand“, Hrsg. Otten Kunstraum, 2014:
Wie Aggregatzustände eines Raumfaltwerks muten die von Hubert Lampert unter dem Thema „Sein und Schein“ ausgestellten Arbeiten an. Besonders dann, wenn die Betrachter der Objekte nicht sofort der zentral perspektivischen Hintergründe ansichtig werden. Erst mit der „richtigen“ Position zum Kunstobjekt löst sich für die BetrachterInnen das lapidare Faltwerk zugunsten vertrauter Formkonstellationen wie Würfel, Kuben oder anderer Grundformen für die Zeit des eigenen Stillstands auf. Im Unterschied zum Raumfaltwerk in Natur und Technik wird dieser künstlerische Umgang nicht der statischen Vorzüge der Faltung sondern der Wahrnehmungsphänomene wegen verwendet. Ausschnitte aus einem gedachten, riesigen beweglichen Netzwerk könnten es sein, welches nach Wunsch und Geschick des Künstlers verschiedene Ordnungen der Formgenerierung und Raumgestaltung entstehen lässt. Entwickelt wird es über Messpunkte im Raum, deren lineare Verbindungen dimensioniert, materialisiert und zusammengefügt sind. Als Einzelstücke oder in Serie rühren sie die Grenzen zwischen Sein und Schein an. Die kleinen zentralperspektivisch angelegten Arbeiten entfalten durch die Positionierung an der Wand, Decke oder am Boden vielansichtige beziehungsweise bei frei im Raum hängenden Objekten allansichtige Ausdrücke plastischer Verhältnisse. Schärfe oder Unschärfe von Bild oder Plastik in deren räumlicher Begrenzung bleibt unbestimmt durch die Bestimmung des Künstlers.



 Zentralperspektivische Objekte – 2011/12

Ausgehend von einer einfachen Zeichnung, wird das Motiv unwirklich in die Dreidimensionalität gearbeitet. In den farbig angelegten Wandobjekten treffen zwei Darstellungsarten aufeinander, wobei die Lineatur der Zeichnung im Raum nie seine logische Ausformung erreicht, die Bewegung dorthin scheint wie eingefroren. Ein eigenartiges Spiel von Sein und Schein beginnt, denn die dargestellten Dinge sind nicht existent und sie sind dennoch da als optischer Effekt und visuelle Erscheinung. Die auf 2 Fluchtpunkten auf einer Horizontlinie aufgebaute Zeichnung entwickelt sich als Objekt auf einen zentralperspektivischen Punkt im Raum hin. Die Karambolage von Wirklichkeit und Vorstellung irritiert unsere Sehgewohnheit. Titel wie „Siegerpodest“, „Rednerpult“ oder „Haus mit Garage“ benennen jeweils das, was als „Zeichnung“ dargestellt wird und weisen auf Träume, Wünsche und Ziele eines quasi erstrebenswerten Daseins hin.
Präziser Aufbau und spielerische Leichtigkeit treffen aufeinander, der Betrachter erfährt Interaktion und Illusion durch Konstruktion.



Wühltisch für Architekten - 2011/12
 

Ein Wühltisch ist wohl der öffentlichste Tisch, den man sich vorstellen kann. In ihm stöbern und kramen die Menschen nach Dingen in allen Größen und Formen, außerdem handelt es sich dabei um Billigstware für Jedermann.

Im „Wühltisch für Architekten“ sind die Ingredienzien ebenso „billig“ und aus Überbleibseln von Holzkonstruktionen gefertigt. Diese adaptierten Reststücke wurden überarbeitet, neu zusammengeleimt, geschliffen und weiß grundiert; der Maßstab ist beliebig und zufällig. Viele Teile ähneln bestehenden Bauwerken und wurden nach der Erinnerung an Bilder aus den Medien nachgebaut.

Der „Wühltisch für Architekten“ thematisiert nicht nur die Beliebigkeit des modernen Bauens und der Stadt/Landentwicklung, er ist auch ein Teil einer umfassenderen, aus mehreren „Tischen“ bestehenden Modellanordnung. Im Westlichen wird dabei das Thema der Tischfläche als Ereignisebene behandelt. Was passiert auf dem Tisch und was unter ihm, was wird auf dem Tisch verhandelt und was ist im Tisch verborgen, in Schubladen und Geheimfächern?

Fotos: Kelvyn Marte

         
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Tisch der Versuchung – 1011/12
 

Der „Tisch der Versuchung“ war ursprünglich als Teil einer Ausstellung (MODELLMASS 4:1) konzipiert worden und verfügt über ein Innenleben mit acht Schubladen.

Auf jeder Seite des quadratischen Tisches befinden sich jeweils 2 Laden, wobei die linken für die weiblichen und die rechten Schubladen für die männlichen Positionen zu den Themen Macht, Freiheit, Gewalt und Sex stehen. Die darin befindlichen Utensilien sind alle aus Holz gefertigt und bemalt. Auf der Tischfläche hatten die Besucher der Ausstellung die Möglichkeit, mit Modellen aus dem „Wühltisch für Architekten“ architektonische Ensembles entstehen zu lassen.

       

Spieltisch – 2010

Der Spieltisch besteht aus 64 Würfeln, über deren 6 Seitenflächen eine Linie gezogen ist. Diese ist so konstruiert, dass sie jeweils die Mitte der Würfelfläche erreicht und als Gerade, als Diagonale, als großer und kleiner rechter Winkel, als spitzer und als stumpfer Winkel den Würfel umläuft. Durch umlegen oder verdrehen der Würfel können nun unzählige Linienformen und geometrische Mustern gebildet werden.

Ob allein und kontemplativ oder interaktiv mit anderen zusammen, die Möglichkeiten zwischen Chaos und Ordnung sind unerschöpflich.

Fotos: Kelvyn Marte

             

Revolution der Rahmen, ab 2008

Die Funktion des Rahmens ist ebenso vielschichtig wie einfach, er umschließt eine Fläche in der Zweidimensionalität. Natürlich verfügt er über eine eigene Materialität und ist deshalb a priori dreidimensional, aber letztendlich geht es um das Einrahmen von Zeichnungen, Bildern, Fotos u.s.w., also um Länge und Breite.
In der Konzeption „Revolution der Rahmen“ geht es darum, dass der Rahmen sich aus der Funktion des Einrahmens befreit und in die Höhe (Tiefe) strebt. Er entfaltet ein Eigenleben, schafft Raum und wird zu einem eigenständigen Objekt, woraus sich ein neuer, diesmal räumlicher Bildinhalt entwickeln lässt.
Der Rahmen will nicht mehr nur Rahmen sein. Seine Metamorphose strebt zwangsläufig nach archetektonischer Ausformung. Im Lauf der Zeit haben sich daraus neue Varianten und farbig angelegte Objekte entwickelt. Allen Arbeiten gemeinsam soll der rechte Winkel sein, innerhalb dessen sich die Umwandlung des Rahmens bewegt.
 


 

 

 

 

 Konzeptionelle Objekte - Würfel

Rezension anlässlich der Ausstellung im "Haus für konstruktive und konkrete Kunst ", Zürich, 1992

Hubert Lampert (geb. 1953) reduziert sein Vokabular seit 1988 ausschliesslich auf den Kubus im Standardmass 1qm – den er in der konnotationsreichen Betitelung "Würfel" verwendet – und die Farben Schwarz, Weiss, die Grundfarben und ihre ersten Mischfarben.

Er schneidet den Würfel ein, vervielfältigt ihn durch Teilungen, fügt die Einzelteile zu neuen Konstellationen im Raum. Ein lebensgrosser Spielbaukasten öffnet sich vor unseren Augen. Die Arbeiten demontieren eine uns allen bekannte Form über die Teilung in Fragmente. Einzelteile erhalten Gewicht und ermöglichen die Konstruktion einer neuen plastischen Form. Jeder bearbeitete Würfel wird zur virtuellen Möglichkeit des Ideals eines Kubus, wird "auseinandergenommen" zum Spielfeld vieler Möglichkeiten. In der räumlichen Anschauung erschaffen wir uns die Würfel neu. So entsteht ein spielerisches Szenario, das die Mobilität in Raum und Zeit über die Möglichkeit der variablen Plazierung der Teile beinhaltet und die Bedingungen der Sichtbarkeit der Form im und durch den Raum formuliert. Dies wird nochmals sichtbar, wenn der Künstler die Vermischung von zwei- und dreidimensionalen Wüfeldefinitionen zeigt, indem er den Würfel als optisches Verwirrspiel in seinen Umrisslinien ausführt.

Der Würfel fungiert als "Nullform" eines bekannten Zeichens, dessen Bedeutungsgehalt durch die individuelle Erforschung immer wieder neu formuliert werden kann. Die Auseinandersetzung mit dem Bekannten ermöglicht uns eine Differenzierung, nämlich das Neue, immer wieder andere daran zu entdecken. Hubert Lamperts Würfelkonstruktionen und Dekonstruktionen sind so ein eigentliches Unternehmen zur Wiedereinsetzung von Form.
 

 

Beatrix Ruf
Zürich, im September 1992