Installationen
 Die Unruhe - 2015

In der Black-Box des Künstlerhauses schwebt eine mannshohe Kugel und zieht langsam seine Kreise durch den Raum. Dabei wird sie mit Farbfeldbildern aus dem „Projekt: Herma L.“ so illuminiert, dass sich der Eindruck eines kurzen Stillstands der kreisenden Kugel einstellt, die sich dann um so schneller weiter zu bewegen scheint. Die Motive vergrößern und verkleinern sich durch die Nähe und Entfernung der rotierenden Kugel.

 

 Phantasie durch Absichtslosigkeit - 2011

Herbstausstellung „Haus-Stall-Garten“. Eine kulturelle Reflexion und Intervention auf das altehrwürdige Gebäude der Artenne Nenzing (A).
Geladene Künstler: Mirjam Dröge, Berlin, Sabine Marte, Wien, Michael Mittermayer, Bings, Carmen Müller, Meran, Ute Schendel, Basel, Uta-Belina Waeger, Dornbirn und Hubert Lampert, Götzis.  

Mein Beitrag mit dem Titel „Phantasie durch Absichtslosigkeit“ ist geprägt von autobiographischen Erlebnissen aus einer Zeit, wo ich nachmittags von der verhassten Schule heim kam und meine jüngste Schwester sah, wie sie längst ausgetragene Strickpullover aus den frühen 60er Jahren auftrennte und zu Knäueln wickelte.
Jahrzehnte später sind bei Aufräumarbeiten auf dem Speicher diese Wollknäuel zum Vorschein gekommen. Es fanden sich hunderte und aberhunderte, fest gewickelte Kugeln in allen Farben und Größen, aufbewahrt in Schachteln, Papiertüten und Nylonsäcken. Sie verblieben auf dem Boden, niemand von der Familie wollte sie wegwerfen. Selbst bei einer späteren Generalsanierung des Hauses entschied ich mich, diese Knäuel aufzubewahren, zu groß war der verführerische Reiz dieser farbigen Kugeln.

Dass diese und andere „unnötige“ Sachen Jahrzehnte überdauert haben, liegt sicher an den Stau-Möglichkeiten von Dachböden. Ob zur Trocknung von Getreide, Nüssen oder Kräutern (wie in meiner Kindheit) oder als Rumpelkammer (wie später in den 70ern mit Möbeln, alten Radios und Tonbändern) oder heute als Archiv, wurde der Dachraum, je nach Anforderung der Zeit, gebraucht.

Meine Installation erzählt die Geschichte der Farben meiner Kindheit, dem „Winter- Beschäftigungsprogramm“ für Herma und von ihrer Stummheit. Heute schweben die Teile gleichsam durch das Tenn, wie einst Herma leise durchs Haus geisterte, still und heimlich – sie war nirgends und überall. Auch die Installation hat keinen ihr zugewiesener Platz, keinen Ort, sondern verteilt sich, einem Vogel- oder Insektenschwarm ähnlich, als Formation im Raum. Hunderte von Farbpunkten schweben im Raum, bewegen sich minimal in der wetterabhängigen Zugluft des Tenns der Artenne.

Fotos: Mirjam Dröge

       

 

 Kapillare Horizontlinien – 2010/11

Die Installation „Kapillare Horizontlinien“ oder „Arbeitsplatz für Denker, Träumer und andere Götter“ stellt eine Art „Haustier einer Ausstellung“ dar.

 

In einem Spezialrahmen mit einem 1 Liter fassenden Wasserbecken, das mit verschiedenfarbigen Tinten gefüllt werden kann, hängt eine Leinwand. Diese saugt sich voll und die Farbe steigt durch Kapillarwirkung in die Höhe. Die Besucher haben nun die Möglichkeit, das Tuch herauszuhängen oder wieder einzutauchen, bzw. die Farbe der Flüssigkeit zu ändern. Die Dauer und Häufigkeit dieses tagelangen Prozesses bestimmt nun das Werden des Bildes, es entsteht fast wie von selbst, aber jeder Versuch, ein bestimmtes Bild herzustellen, scheitert. Kein Bild ist wiederholbar und das Spiel von Zufall und Notwendigkeit könnte ewig fortgeführt werden. Irgendwann ist das Werk fertig und wird zum Trocknen auf die Seite gehängt, um es anschließend dem Archiv zu übergeben.


 

 Öffentlicher Raum - Variable Sphäre

 
Variable Sphäre - eine kinetische Installation in der Johanniterkirche Feldkirch, 2007

Eine große, hängende Kugel kreist im Kirchenschiff. Im Tempo eines Marathonläufers kommt sie auf den Betrachter zu und entfernt sich wieder. Sie hat den Durchmesser von 183 cm (analog zur Körpergröße des Künstlers) und ist in Leichtbauweise — aus einem Holzgerüst und einer Haut aus Papier — hergestellt. Begleitet wird die Kugel von ihrem fast unsichtbaren Pendant, einer kleinen, zwanzig Kilogramm schweren Bleikugel, die als Gegengewicht dient.

Wie bei einem Satelliten ist deren Umlaufbahn von jener der großen Kugel bestimmt, zugleich reguliert die kleinere die Fliehkraft der kreisenden Papiersphäre. Die beiden bedingen einander, beider Umlaufbahnen werden vom Kirchenraum bestimmt.
 

 
Die große Sphäre wird in der Phase der Annäherung und in der Phase der Entfernung von einem Projektor angestrahlt. An ihr strahlen Bilder ab, die Hubert Lampert im Internet gesammelt hat: Aufnahmen aus der Atmosphäre, Wetter- und Weltraumbilder aus der Zwischenwelt zwischen Erde und Weltall.

Durch ihre beschleunigte Annäherung wird die Bewegung der Kugel körperlich erfahrbar. Diese visuell-körperliche Ebene ist durch eine auditive verstärkt. Eine Toncollage aus Alltagsaufnahmen und Vogelzwitschern wird immer wieder zugeschaltet.


 
  Das Konstruktive und das Mathematische sind eine Konstante in Hubert Lamperts Arbeit. Bei seiner variablen Skultptur „Klangwürfel“ bilden etwa hohle, mit Holzperlen gefüllte Würfel durch spezifische Anordnungen unbegrenzte variable Strukturen.

In seinen „In-Formations-Bändern“ übersetzt Lampert die Maschinen-sprache der Strichcodes in eine grafisch-figurative Form und bei der Werkgruppe „0+1+1+2+3+5+8+13+X“ (der sogenannten „Fibonacci-Reihe“) orientiert sich Hubert Lampert bei den Konstruktionsproportionen an der Zahlenreihe aus dem Jahr 1202 des italienischen Mathematikers Leonardo da Pisa, genannt Fibonacci.

Mit seiner kinetischen Skulptur „Variable Sphäre“ thematisiert Lampert die Wechselwirkung von Helligkeit und Dunkelheit, Nähe und Ferne, Geräusch und Stille. Polaritäten werden hier körperlich erfahrbar.

Es ist das Thema der Universalität der Kugel, das den Künstler bei dieser Arbeit interessiert.

Die Kugel, griechisch spahira, steht für Hülle oder Ball. Sie ist seit jeher eine geometrische Form, die sich als Symbol und Anschauungsobjekt für unterschiedlichste Theorien und Philosophien eignet. In der Antike schreibt man der Kugel die Vollendung aller möglichen Formen zu.

Nach Platon waren die ersten menschlichen Wesen kugelförmig und zweigeschlechtlich, wurden aber von Zeus voneinander getrennt, weil ihre Vollendung, Schnelligkeit und Kraft den Göttern zu gefährlich war.
 


 
Die christliche Kosmologie übernahm von der antiken die Vorstellung, die Welt, der Himmel und die Hölle seien in verschiedenen halbierten Hohlkugeln geordnet. Der Bezeichnung Sphären lag die geozentrische Vorstellung zugrunde, dass das Himmelsgewölbe aus konzentrischen durchsichtigen Kugelschalen in verschiedenem Abstand besteht, die sich unterschiedlich drehen und an die Sterne angeheftet sind.

Dem Mathematiker und Theologen Nikolaus Cusanus dient die unendliche Kugel, die sphaera infinita, im 15. Jahrhundert als Bild für Gott, den Kugelgott:
Dem endlichen Betrachter erscheint die unendliche Krümmung gerade; nur wer seine eigenen Gedanken übersteigt, erkennt, dass die Linie sich im Unendlichen zum Kreis biegt.

Aus der Antike hatte man aber noch eine zweite Deutung übernommen: Die Kugel als Symbol der Schicksalsentscheidung.  Sie rollt eigenwillig ihre Bahn, sie erinnert an den Apfel des Paris, der einen Krieg auslöst. Heute noch entscheiden Kugeln beim Lotto, beim Roulette, im Flipper, wo das Glück hinfällt. (Vgl. Johann Ev. Hafner, Die Kugel als religiöses Symbol, 2007)

Der Philosoph Peter Sloterdijk deutet die gesamte europäische Geistesgeschichte als Globalisierung, im Sinne von Verkugelung. Alle Geschichte sei die Geschichte von großpolitischen und sozialen "Sphärenerweiterungskämpfen“. Die morphologischen Leitbilder Sloterdijks sind der Globus und die Kugel. Je unendlicher die Welt wurde, desto mehr suchte der Mensch nach Bergung in einer großen, alles enthaltenden Kugel. (Peter Sloterdijk, Sphären – Eine Trilogie, 2004)

Die Bedeutungsgeschichte der Kugel ist vielschichtig. Hubert Lampert fasst sie in einem kurzen, prägnanten Satz zusammen: „Es ist als ob alles drin wäre...“

Mag. Stefania Pitscheider-Soraperra
 

 

 Der "wandernde Quadratmeter"

ist die Manifestation einer symbiotischen Beziehung zwischen Natur und Skulptur.

Das räumliche Versetzen - bzw. die kontinuierliche Landnahme nach temporären Liegephasen - hinterlässt im Laufe der Zeit, bedingt durch Pflanzenwuchs und Witterung, seine Spuren, deren Charakteristikum integraler Bestandteil des Gesamtkonzeptes ist.

Aspekte sozialer, religiöser, ethnischer, wirtschaftlicher oder philosophischer Relevanz werden mittels Zuordnung von Fakten visualisiert. Angaben zu Grundstückspreisen, Hafträumen, Tierhaltung oder naturwissenschaftliche Aspekte wie Bodenerosion werden thematisiert.

     

 

 "RHEIN-ART 97" - Internationale Skulpturen-Ausstellung (Katalog-Text) - 1997

In einem Quadrat von 3m Seitenlänge steckte Hubert Lampert 144 ca. 4 m hohe Bohnenstangen, die er mit den 4 Landesfarben von D, A, CH, FL, bemalte. Die gepflanzten Bohnen der robusten Sorte "Blauhilde", die bläulich gefärbt ist und beim Kochen ergrünt, wuchsen während der Ausstellung. Gegen Ende verdichtete sich das Bauwerk zu einem vegetativen Kubus, behangen mit Hülsenfrüchten.
 

Die Bohnenstangen bilden eine senkrechte Linearstruktur, dienen anfangs als Farbträger und werden im Laufe des Sommers als Konstruktion für die hochwachsenden Pflanzen benötigt (Funktionswechsel).

Die Idee entstammt seiner persönlichen Grenzerfahrung. Die Materialien, Bohnen und Stangen beziehen sich auf Erinnerungen seiner ersten Grenz- bzw. Rheinüberquerung.
H. L.: "Wir Burschen wurden gerade 13, die Beatles brachten "Help" heraus, und ich verdiente mir beim "Böhnala" meinen ersten Transistorradio. Nun stand für mich die Tür zur Welt offen."

 

 Installation "RAUMZEIT" 1991